Mit Tränen in den Augen rekeln sich in Meißen Stadtrat und andere Plötzlich-Wohltäter vor den Kameras des Regionalsenders tvM, um ihr Mitgefühl und ihre Hilfe für flutgeschädigte Gewerbetreibende anzubieten. Mit zarten, einfühlenden Worten erklärt man den Bürgern der Stadt Meißen damit: Ihr tolles Meißen lebt nur vom Tourismus und hat eigentlich sonst nichts weiter zu bieten, schon gar nicht für seine Mitbürger.
Und das zeigt sich auch im Konsens der Möchtegern-Wohltäter. Es geht schlicht um den schnellen wirtschaftlichen Schwung, der wieder durch die Straßen von Meißen wehen muss, wobei gerade die prekär besetze Förderschule die letzte ist, die wieder den Unterricht aufnimmt, obwohl jene weit oben auf dem Kalkberg thront. Hier scheint es wohl an einem Lehrermangel zu liegen, sodass die vorher ausselektierten Schüler aus sozial schwachen Familien die letzten sind, die ihren Stoff nicht vermittelt bekommen. Die haben es ja auch nicht nötig!?
Oder wie wäre es einmal mit einer Unterstützung - oder einem Spendenaufruf - für das geschlossene Freibad in Meißen-Bohnitzsch, damit unsere Kinder nicht ein überteuertes Hallenbad im Sommer aufsuchen müssen, wo sie für zwei Stunden so viel Geld lassen, wie für den ganzen Tag im damaligen Freibad? Komisch, hier stellt sich kein Bauunternehmen mit seinen ausgebeuteten Mitarbeitern feucht-fröhlich lächelnd vor die Kamera und sagt: Wir helfen euch!
Doch der Eigennutz ist bei solchen Shows gewisser „Helfer“ leider größer als alles andere. So präsentiert man sich wohltätig als Unternehmer, Stadtrat oder wer auch immer, lässt dabei seine Knechtschaft umsonst bei Vereinen, die es oft gar nicht nötig haben, arbeiten und klopft sich dann seicht hochmütig vor der Kamera auf die Schulter. Eine tolle Promotion, um weitere Aufträge und Sympathie einzusacken, oder?
Oder was? Oder was ist mit dem Freizeitpark, ebenfalls in Bohnitzsch, der seit Jahren verkommt? Dort wo zwei Volleyballfelder, ein Fußballfeld, ein Basketballfeld, eine Minigolfanlage, ein Spielplatz für Kinder und eine Skateranlage zur kostenlosen Nutzung angeboten und auch ausreichend genutzt wurde? Diesem Verein hat damals niemand geholfen! Ach ja, dort konnten ja jene desillusionierten und desorientierten, aus sozial schwachen Familien stammenden Förderschüler endlich mal ohne wirtschaftlichen Schwung zu verbreiten toben und Spaß haben. So ein Mist aber auch. Jetzt müssen sie wahrscheinlich bei Bier und Schnaps den letzten verbliebenen Volleyballplatz am Elbsommer nutzen, wenn er denn mal frei ist. Und überlegen wir einmal: Freizeitpark und Freibad liegen äußerst nah beieinander. Im Sommer könnten Kinder und Jugendliche in Kombination beides perfekt nutzen.
Aber nein. Wir stampfen höchstens kleine, sinn- und spaßfreie Spielplätze in prekären Vierteln wie Meißen Cölln aus dem Boden. Daneben dinieren Bier und Krug bei Schnaps und Wein zum Morgen, Mittag und Abend. Jene Spielplätze, die als Attraktion eine Affenschaukel und eine zwei Meter breite zu ein Meter hohe „Kletterwand“ für jeweils zwei Kinder bieten. Da kommt Freude auf zum Nachmittag; bei 40 Grad in der Sonne, ohne Freibad in Sicht. Auch hier klopften sich damals Oberuntertan und seine Gefolgschaft wohlwollend auf die Schulter. Das peinliche an solchen Scharaden ist meiner Meinung ja immer, dass sie glauben, irgendetwas sinnvolles getan zu haben. Einfach köstlich, diese Bande.
Doch natürlich gibt es auch positive Aussichten in den Problemvierteln. Immer mehr Einrichtungen wie die Arche machen sich breit, bei denen Eltern, und auch die Stadt selbst, ihre Verantwortung für ihre Kinder und Bürger komplett abgeben können. Hier sind sie endlich von der Last der Erziehung befreit und müssen sich nicht mehr um das schwierige Kind bemühen, was zu hause ständig die Mäuse auf den Tisch tanzen lässt, da es womöglich gar nicht mehr weiß, wo es überhaupt noch hingehört. Endlich sind gestresste H4-Eltern von der Bespaßung ihrer Kinder befreit. Ja, genau jene Einrichtungen wie die Arche, die ihren Bau durch die äußerst gesunde und spenden willige Fast-Food-Kette McDonalds ermöglichen konnte. Hmm, jetzt fragt sich der gebeutelte Bürger natürlich, warum McDonalds nichts für ein Freibad spendet? Aber auch das ist leicht zu beantworten. Wahrscheinlich liegt das ehemalige Freibad nicht eine Straße weiter; 50 Meter Luftlinie von der McDonalds-Filiale entfernt. Und wahrscheinlich würden Kinder in das Freibad ohne Betreuer gehen, die versuchten, den Kinder das Einmaleins der christlichen Religion einzubläuen, um sie für jene Religion zu gewinnen.
Zählt nur der gute Wille, Kinder von der Straße zu holen und zu resozialisieren - oder geht es auch um mehr in Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e. V. ? Keine Frage, das Projekt ist ein großer Erfolg und bietet vielen Kindern einen Zufluchtsort aus schwierigen Familienverhältnissen, aber die Konsequenz aus der Haltung des Gründers und vielen Mitarbeitern zeigt auch ein negatives Bild auf.
Jenes Bild ist der Umgang mit den Problemen vieler Kinder, die nach eigenen Erfahrungen gar nicht angegangen werden wollen, sondern eher genutzt werden, um ein bestimmtes Bild zu vermitteln. So scheint, dass der religiöse Hintergrund in den Vordergrund gerät und eine Abhängigkeit zwischen Der Arche und den sozial schwachen Kindern entstehen soll. Diese Abhängigkeit entsteht dadurch, dass die Probleme in der Familie weiter bestehen bleiben, damit das misshandelte Kind, auf welche Art und Weise dies passierte sei dahingestellt, den Zufluchtsort immer wieder aufsucht. Die wirklichen Probleme bauen aber eben genau auf dem Problem Familie auf und werden dadurch nicht beseitigt. Gerade hieraus entwickelt sich der Verdacht, dass es um eine Missionierung geht. Die Grundlage, ein liebevolles und vernünftiges Familienverhältnis für das Kind zu schaffen, soll nur in den Archen herrschen, aber nicht zu hause. Wäre dies so – und würde man dagegen angehen - hätten die Kinder womöglich auch nicht unbedingt den Drang, jene Einrichtungen ständig aufzusuchen. Warum nutzt die Arche ihre vielen Spenden nicht für Familientherapien?
Und trotzdem fühlen sich die Kinder in den Einrichtungen der Arche wohl. Hier erhalten sie das, was sie zu hause womöglich vermissen. Anerkennung, Respekt, Mittags eine warme Mahlzeit, ein liebevoller Umgang und Freizeitangebote, die ihre Eltern in dem Umfang durch finanzielle Einschränkungen nicht bieten können. Aber auch hier könnte man meinen, dass eine Entfremdung von den Kindern zu den Eltern stattfinden soll, um das Schaf so zu zähmen, wie es sich für die passende Religion oder Ideologie, welche spielt dabei gar keine Rolle, ziemt. Dazu fällt mir hier die personelle Besetzung in den Archen ein, die einem ständigen Wechsel unterzogen ist und gerade Kinder aus sozial schwachen Familien weitere traumatische Ereignisse einimpft. Hier spielt die große Verlustangst von Bezugspersonen eine große Rolle. Wenn Praktikanten den Job von Betreuern einnehmen, jene Betreuer sich als Bezugsperson bei den Kindern etablieren, so ist das beim Wegfall der Bezugsperson, was sehr oft in den Archen passiert, keine Grundlage für eine kindgerechte Erziehung. Das müsste der Gründer der Arche Bernd Siggelkow eigentlich wissen, da ihm seine Mutter mit sechs Jahren verließ; das zumindest gab er emotional aufbereitet bei Markus Lanz bekannt. Hier wird dem Kind eine ständige Verlustangst eingebläut, welche nicht wirklich förderlich für die freie Entwicklung von Geist und Körper des Kindes ist. Ist das Kind von zu hause durch Beziehungsprobleme der Eltern schon darauf geprägt, so werden die Probleme noch verschlimmert.
Hier könnte man auch wieder meinen, dass jene Angsthaltung der Kinder ausgenutzt werden soll. Die Kinder sollen sich nicht einem realen, normalen Erwachsenen anvertrauen, sondern dem jeweiligen Gott oder einer Obrigkeit, der sie führt und lenkt. Der Praktikant, der eine liebevolle Bindung aufgebaut hat, soll nicht derjenige sein, der die Führung übernimmt oder womöglich Probleme löst. Daher sollen es auch nicht die Eltern sein, sondern Gott und seine Werte und Weisheiten. Das jene Werte und Weisheiten, welche nicht schlecht sein müssen, aber oftmals so angepasst werden, dass sie der Führung der Mächtigen über die Massen dienen, verkennen viele dabei. Die Eltern aus jenen Kreisen wird es auch egal sein. Diese wissen oftmals gar nicht, was für eine Aufgabe die Arche übernimmt und das, wenn ihr Kind die Arche aufsucht, dieses oftmals Probleme mit Mama oder Papa hat. Die Arche vermittelt es den Eltern auch nicht, aber warum nicht? Die Eltern geben hier noch gern die Verantwortung an jene Einrichtungen weiter, was wiederum ein Freifahrtschein für Demagogie sein kann.
Ein weiteres Problem erscheint mir hier, dass diese Kinder selbst die Rolle der Eltern verkennen und später in der Rolle eines Elternteils selbst glauben, die Verantwortung abgeben zu müssen. Dienlich scheint das Ganze schon und zwar der Religion und der darauf aufbauenden, systembedingten Ideologie. Frau Merkel lobt zum Beispiel den Gründer Der Arche, obwohl ihre und die damalige Politik jenes Phänomen, die Armut, weiter vorantreiben und jener Gründer nun davon profitiert. Vielleicht geben sich beide auch die Hand? Hole mir bitte jene Kinder von der Straße, welche mir irgendwann einmal gefährlich werden könnten. Denn um so weiter die Armut voranschreitet und um sich greift, desto mehr Angst macht sich breit. Aus dieser Angst wird Wut, die sich dann wiederum gegen den Verursacher richten könnte.
Das schon sehr merkwürdige daran ist außerdem, dass gerade der Gründer der Arche angeblich ein Freund vieler Medienanstalten ist, nicht zuletzt ein Freund von Chefredakteur der Bild Kai Diekmann, der auch der Kanzlerin Angela Merkel sehr nahe steht. Hier schleicht sich wieder etwas ein, was vielen sauer aufstoßen könnte. Da die Arche hundertprozentig aus Spenden finanziert wird, wird die Arche und ihre Spendenbedürftigkeit gezielt in den Medien platziert, damit viele Spenden für dieses Hilfswerk wie Honig fließen und somit jedem Kind „geholfen“ und ruhig gestellt werden kann. Die Frage stellt sich nun, wer spendet den Großteil und wer rührt die Werbetrommel, damit alles glatt läuft?
Hier in Meißen finanzierte die Fast-Food-Kette McDonalds den Bau der Arche und das natürlich äußerst nah an deren Filiale. Unilever, ein niederländisch-britischer Großkonzern für Verbrauchsgüter unterstütze das Projekt. Auch die Deutsche Bahn und die Privatbank HSBC Trinkaus gehören zu den Unterstützern. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck: Spendet für die Arche trägt beispielsweise auch Verona Pooth, welche auch Werbung für den Textildiscounter Kik machte, der wiederum in die Kritik geraten ist durch seine Methoden der Herstellung seiner Waren in Indien und dem Umgang mit seinen Mitarbeitern hier in Deutschland. Nun, es sind jene Verflechtungen aus Politik, Medien und Wirtschaft, die hier diesen Zufluchtsort für Kinder errichten, obwohl sie es sind, die deren Leid erst entstehen lassen, wodurch jener Zufluchtsort erst benötigt wird. Man könnte es grob Heuchelei nennen.
Es ist am Ende natürlich noch zu betonen, dass den Kinder schon geholfen ist mit dem Projekt, solange das Elternhaus aus den Fugen geraten ist. Es wird auch wirklich viel für die Kinder getan und durch ehrenamtliche Helfer auf die Beine gestellt. Das Problem ist nur, dass die Erziehung sich ebenfalls nicht auf die Bedürfnisse der Kinder ausrichtet, sondern ein ideologischer Aspekt dahinter steht, der zwar die wahren Probleme kennt, aber sie nicht bekämpft, da sie nützlich sind für die Vermittlung der besagten Ideologie. Würden hier nämlich die Familien mit einbezogen und die Probleme angesprochen, das Problem vielleicht sogar dadurch beseitigt, wäre das Kind nicht mehr anfällig und lenkungsfähig. Ein stabil-familiäres Umfeld schafft stabile Kinder, welche keine Übermutter brauchen.
Es ist ein leidiges Thema. Die Aufbereitung über die Hilfe in Hochwassergebieten in unsere Presse ist abscheulich einseitig. Solidarität ist gut, aber wenn sie nur dann stattfindet, wenn dazu aufgerufen wird, dann ist etwas faul. Wie oft haben wir schon über Feuerteufel gelesen, die bei der Feuerwehr arbeiteten und auch den eigen gelegten Brand meldeten? Es passiert oft und der Zusammenhang zur inszenierten Hilfsbereitschaft ist der gleiche, nur das bei einem Hochwasser nichts selbst angebrannt werden muss, da es von allein dazu kommt, dass der „Helfer“ in der Not sich an dem Leid anderer bereichert.
Die Bereicherung finden wir im Helfersyndrom, abwertend auch Gutmensch genannt, der sich durch sein niederes Selbstwertgefühl bestimmt sieht, unbedingt helfen zu müssen. Er hilft daher nicht, weil er anderen wirklich helfen möchte, sondern nur um sich zu profilieren, um jenes geringes Selbstwertgefühl zu steigern, also um sich selbst zu helfen, auch wenn seine Hilfe kontraproduktiv sein kann, was eindeutig an vielen Stellen der Hochwassergebiete und außerhalb der Fall ist. Aktiviert wird dieses Helfersyndrom ebenfalls durch die Presse und sozialen Netzwerken, die mit Fingern auf andere zeigen, die nicht mit anpacken. Der seelisch Kranke wird dadurch erst richtig in Stimmung kommen. Sein Tatendrang wird unerschöpflich. Es findet teilweise auch eine Züchtung durch manipulative Methoden durch die Medien statt, um einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen.
Ganz schwer hat es hier gerade die Arbeiterschaft und die aussätzige Unterschicht, wo Verachtung und Erniedrigung im Alltag zu einem niederen Selbstwertgefühl führt, welches durch jene Hilfsbereitschaft kompensiert wird. Endlich bin ich zu etwas nutze und kann es den anderen zeigen und recht machen, worauf die nächste Ernüchterung folgt, da keine Anerkennung vom Chef, dem Lehrer oder dem Familienangehörigen stattfindet, da es heutzutage als selbstverständlich angesehen wird, alles ohne zu Murren und ohne eine Gegenleistung, zumindest in einer bestimmten Konstellation, zu erledigen. Dadurch leidet das Selbstwertgefühl noch mehr darunter und der Betroffene sucht nach jeder kleinsten Helfertätigkeit, um etwas Bestätigung in seinem Dasein zu erhalten.
Die Folge dessen sehen wir in den steigenden Zahlen des Burnout-Syndroms und Depressionen. Es wird bis zur Erschöpfung gearbeitet. Es muss jedem alles recht gemacht werden, nur nicht sich selbst, wobei eine Co-Abhängigkeit entstehen kann und der Sinn des Lebens „Gutmensch“ - also Arbeiten bis zur Erschöpfung – heißt.
Mal von den hohen Schäden und den emotionalem Elend vieler Betroffener abgesehen, so hat das Hochwasser 2013 enorm viel Gutes mit sich gebracht. Nicht nur das viele Menschen ein paar Tage extra frei hatten und somit ihre geistige Verwahrlosung weiter vorantreiben konnten, so fördert die Flut noch weitere unfreiwillige Maßnahmen, die die Bürger zu gern von ihren Herrenmenschen hören würden.
Das Hochwasser geht, aber die Zerstörung und der Schmutz bleibt. Vereine, Selbständige, Unternehmen und vor allem Städte selbst stehen vor einem Problem, was sich Arbeitskräftemangel nennt. Und das bei leeren Kassen, welche natürlich schon lange vor dem Hochwasser abgesoffen waren, jene jedoch durch Pump, Fördergeldern und stattlichen Subventionen sowie Eigenbetrieben am laufen gehalten werden. Jene Eigenbetriebe, denen nach Arbeitskräften dürstet, obwohl gar keine Arbeit da ist - oder wenn es Arbeit gibt, dann zumindest auf Kosten regulärer Stellen, da diese ja angeblich so überaus teuer sind.
Doch es gibt einen Ausweg aus der De Misere. Hartz-IV-Empfänger sind die rettenden Engel von unten aus den tiefen der Hölle. Faule Nichtsnutze, so wie sie oft in einschlägigen, pseudo- religiösen Herren-Zeitschriften genannt werden, sind jetzt mehr gefragt als vorher. Ihre angestaute Arbeitskraft, welche durch die Summenformel C2H6O und C10H14N2 extra verstärkt wurde und immer noch wird, kann nun umgewandelt werden in pure Lebensfreude. Endlich Vollbeschäftigung für Millionen von Menschen! Endlich wieder Arbeiten, ohne dabei etwas zu verdienen, was ja der gebeutelte Arbeitslose trotz Arbeit kennen dürfte. Endlich wieder aktiv werden und einen Sinn im Leben sehen. Keine elendigen Pseudo-Soaps mit Verdummungsfaktor mehr. Juhu, endlich frei von allem, aber vor allem frei von Lohn und Brot! Von der Würde ganz zu schweigen.
Also, warum geben wir allen Arbeitslosen nicht eine Schaufel, besser eine kleine Kinderschippe, damit sie länger beschäftigt sind, in die Hand und lassen sie aufräumen? Ein Sieb zum Filtern des Elbwassers, damit es unten im Norden etwas sauberer ankommt, wäre auch eine äußerst effektive, aber auch sehr interessante Tätigkeit. Bei dem warmen Wetter benötigt man hier auch keine großen Maßnahmen, welche mit viel Geld verbunden sind. Jene Arbeitslose werden an Stricken wie ein Netz zusammengebunden und von einer Elbseite auf die andere gespannt, wobei jeder ein Sieb ins Wasser hält. Durst und Hunger kann durch das Wasser selbst und durch vorbei schwimmende Essensreste - oder notgedrungen durch Fäkalien erfolgen. Ich mein, Ansprüche können diese Menschen eh keine mehr stellen, oder?
Aber Ernst beiseite. Presse, Politik, aber vor allem unsere Wirtschaft und Gesellschaft selber, sind nicht abgeneigt von diesen Ideen. Gerade die Angeklagten selbst, die jeglichen Sinn in ihrem Leben und jegliche Würde abgelegt haben, würden sich zu solchen Maßnahmen hinreißen lassen. Das heißt nun natürlich nicht, dass die Arbeiterschaft einen Sinn im Leben sieht. Diese ist nur angepasst und sieht ihren Sinn in der Befriedigung von Bedürfnissen anderer, aber nicht ihrer eigener. Dieses Handeln Projizieren sie jedoch auf andere. Die anderen werden dann verteufelt und angeklagt, weil sie nicht so funktionieren wie die Mehrheit, die ja alle Last stemmt. Dies bekommen die Outlaws natürlich zu spüren und tun irgendwann alles, um dieser Projektion nicht mehr zu entsprechen. Jene die andere Anklagen sind jedoch ärmer dran als alle anderen. Es ist die Masse, die alle Last auf sich nimmt, nur um nicht in das tiefe Loch der Hoffnungslosigkeit zu fallen, was sich Endstation Jobcenter schimpft. Sie werden alles tun, und das um jeden Preis, um ihren Status zu bewahren. Sie sind die Sklaven ihrer selbst.
Was macht der Großteil der Bevölkerung bei einem Hochwasser wie das im Monat Juni 2013? Party ohne Ende! Endlich fällt die Schule aus und Kinder können Kinder sein. Endlich sind die Straßen leer und es gibt genug Platz zum Fußball spielen. Endlich dröhnen nicht täglich hunderttausend, laute PKW und LKW durch die Straßen! Endlich hat Mama und Papa mal die Zeit, über sich und ihr trostloses Leben nachzudenken. Aber wie veranlasst; Nachdenken und Reflektieren des Daseins ist verpönt, man gibt sich lieber am Straßenrand bei Grill, Hochwasser und Hochwasserterrorismus die Kante und grölt lustige Lieder durch die Gegend.
Ja, so ausgelassen war die Stimmung auf Sachsens Straßen lange nicht mehr. Das Volk hat endlich mal wieder ein Ziel vor Augen! Das Ziel heißt Party und Bespaßung am Elbufer! Aber Warum? Weil der Alltag beiseite geschoben wird und dieses Ereignis Balsam für die Seele bedeutet. Und: es ist kostenlos und jede Schicht hat Zutritt! Die Menschen rücken somit zusammen; weinen, lachen, singen und tanzen. Obwohl man dazu sagen muss: Hier in Meißen (Sachsen) wohnt das Prekariat im Tal und säuft natürlich als erstes ab. Die gutbürgerlichen sind auch nicht so doof und bauen ihre Häuser direkt an die Elbe. Aber so kann man sich dann wieder als Samariter vor die Kamera stellen und mit einem feuchtem Auge die arme Unterschicht bemitleiden und womöglich noch ein paar Euros spenden oder eine verarmte Familie bei sich aufnehmen.
Nein, es wird geholfen und das aus jeder Schicht! Doch wenn bei Twitter oder Facebook Bilder von körperlich Behinderten und kleinen Kindern auftauchen, die Sandsäcke füllen, dann ist das Land außer Rand und Band. Wir brauchen natürlich körperlich eingeschränkte Personen beim Sandsäcke füllen. Wir haben noch nicht genug Leute, die sich durch das Phänomen der inszenierten Hilfsbereitschaft durch die Medien kostenlos zur Verfügung stellen. Aber Arbeit macht frei! Wir müssen für unser Land und Volk alles tun, damit wir nicht unter gehen! Die Leute merken gar nicht, wie sie hier getrimmt und manipuliert werden. Es ist genau jene Haltung, die dann auch nach dem Hochwasser wieder angenommen werden soll, um das arme Deutschland vor dem wirtschaftlichen Ruin zu retten.
Dann ist es natürlich auch wieder vorbei mit der Hilfsbereitschaft. Dann, wenn der kleine Mann wieder im Jobcenter herunter geputzt und ausgelacht wird. Dann, wenn er für einen Apfel und ein Ei sich die Bandscheiben bei einer Leihfirma aus dem Kreuz leiert, um dann dennoch betteln gehen muss aufs Amt, weil der Lohn nicht reicht. Hier hilft ihm keiner mehr. Wo er vor kurzem noch umsonst Sandsäcke gefüllt hat und kostenlos verpflegt wurde - und dachte, dass die Menschen doch nicht so scheiße sind wie gedacht, wird er hier wieder eines besseren belehrt. Dann hat der gutbürgerliche auch kein Verständnis mehr. Dann ist er derjenige, der nur besser hätte aufpassen müssen in der Schule. Warum wundert der sich denn? Häuser bauen und ausstatten kann nun mal nicht so gut bezahlt werden! Ich wohne und lebe, ja ich existiere zwar tagtäglich in Gebäuden die jene Menschen gebaut haben, aber das ist ja keine Grund dafür, dass diese Menschen richtig leben dürfen. Es muss doch auch niemand verhungern hier in Deutschland!
Und die Gaffer erst, die keinen Handschlag tun! Warum gucken die denn, haben die nichts besseres zu tun? Warum sollen sie aber nicht gucken dürfen? Naturgewalten und Naturaktstrophen sind eben ein Event für jedermann. Aber wie sagt Diplom-Psycho-Gynäkologe Wolfgang Thil bei Bild so schön: Sie suchen nur den Kick des Gefährlichen, ohne das sie selbst dabei in Gefahr geraten. Der Spruch sitzt: Gehe ich doch so gern schwimmen, ohne dabei ins Wasser zu gehen!
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